Vom Surfen und vom Manifestieren
Donnerstag, 9. September 2010Auf meinen Vortrags-Reisen und in unseren Seminaren treffe ich immer wieder Menschen, deren Lebenskraft sich in einer uralten, klassischen Denkschlaufe festgefahren hat:
Habe ich eine Wahl oder nicht?
Bin ich ein Spielball des Lebens oder kann ich selbst aktiv kreieren?
Kontrolliere ich meine Wirklichkeit oder kontrolliert das Leben mich?
Ich kenne diesen Konflikt nur allzu gut. Er hat mich jahrelang blockiert. Weder konnte ich mich gelassen hingeben, noch voller Freude und Potenz gestalten. Bis ich realisierte, dass der Versuch, zwischen diesen beiden Polen zu entscheiden, zum Scheitern verurteilt sein muss. Denn beide Pole, Wahl und Nichtwahl, Kontrolle und Nichtkontrolle existieren nicht wirklich. Sie sind Konzepte – made by human mind.
Es ist ungefähr so, als wenn du mit einer blauen und einer roten Teetasse Wasser aus dem Ozean schöpfst und dich dann fragst:
In welcher der beiden Tassen befindet sich der richtige Ozean?
Die Antwort: In keiner wirklich und in jeder ein bisschen.
Nun bin ich von meinem Grunddesign her nicht dazu veranlagt, das Leben durch exzessives, philosophisches Grübeln erkunden zu wollen.
Mich haben viel mehr oft ganz einfache Metaphern durch einen energetischen „Klick!“ darinunterstützt, das Leben auf einer tieferen Ebene zu verstehen und in seiner wunderbaren Paradoxie zu feiern.
Die folgende Metapher vom Surfer half mir, einen uralten, schmerzhaften Konflikt zu heilen und die Co-Kreationen meines Lebens endlich voll zu genießen. Möge sie auch dich auf deine Seele küssen und dich von unnötigem Ballast befreien.
Dein Veit.
Für immer in Co-Kreation mit dir verbunden.
Der Surfer und die Welle
Ein Surfer weiß, dass er nicht den Ozean kontrollieren kann.
Er hat keinen Einfluss auf die Wellen.
Darauf, wann sie kommen und wie hoch sie sind.
Doch da er entschlossen ist, die perfekte Welle – SEINE Welle – zu reiten, bereitet er sich vor.
Er wählt das beste Surfboard.
Er trainiert seinen Körper.
Er schult seine Intuition.
Er visualisiert seine Begegnung mit der perfekten Welle tausende Male und dann…
…wartet er.
Warten heißt nicht, einzuschlafen.
Warten ist für den Surfer ein hochaktiver Zustand.
Er lauscht dem Ozean.
Er beobachtet die Gezeiten.
Er hält sich bereit.
Er ist leer, um die Zeichen zu empfangen.
Und gleichzeitig ist sein ganzes Wesen erfüllt mit seiner Intention.
Lange bevor er den ersten Fuß ins Wasser setzt, ist er eins mit dem Ozean geworden.
Er weiß 100% genau, was er will und ist bereit, alles dafür zu tun und zu lassen, was es braucht.

Wenn dann die Welle kommt, versucht er nicht, sie zu bezwingen. Er reitet sie.
Eine Welle zu reiten, ist ein Liebesspiel zwischen Surfer und Welle.
Der Surfer weiß genau, was er will und gleichzeitig gibt er sich der Welle hin.
Er kontrolliert den Augenblick, in dem sein Wille und sein Können in einer einzigen Ausrichtung miteinander verschmelzen. Und gleichzeitig lässt er sich voll vom Augenblick kontrollieren, in dem sein System jedes Feedback der Welle bedingungslos offen empfängt.
Er vögelt die Welle und er wird von ihr gevögelt.
Und dann… für einen kostbaren, ewigen Augenblick gibt es keinen Surfer und keine Welle, auch keinen Ozean mehr. Die Existenz hat sich in einem stillen Aufschrei der Freude vereint.
Der Meister und sein Werk
Das Bild des Surfers kann uns helfen, Co-Kreation besser zu verstehen.
Erfolglose Menschen fühlen sich den Wellen des Lebens hilflos ausgeliefert.
Schüler auf dem Weg des Erfolgs versuchen oft, die Wellen zu kontrollieren.
Beide Haltungen erzeugen enormes Leid. Denn beiden Perspektiven liegt ein Irrtum zugrunde.
Wenn die Existenz gewollt hätte, dass wir uns den Gezeiten des Lebens passiv ausliefern, hätte sie sich nicht die Mühe machen müssen, uns mit einer so kreativen und reflektierenden Intelligenz auszustatten. Das Nervengewebe eines Regenwurms hätte genügt.
Sich der Welle hinzugeben, bedeutet nicht, einzupennen oder abzuschlaffen. Denn dann fliegst du vom Brett. Besonders in spirituellen Kreisen beobachte ich manchmal eine (meiner Meinung nach) falsch verstandene und faul praktizierte Hingabe. Deine kreativen Intelligenzen an den Nagel zu hängen, um nur noch vorverdaute Meinungen von Lehrern, Gurus oder Büchern zu übernehmen, ist nicht nur eine Verschwendung deiner Ressourcen, sondern eine evolutionäre Sackgasse. Denn dann stoppt die Weiterentwicklung des Lebens an der Stelle, an der du stehst. Dies ist keine Hingabe, sondern Abgabe.
Auf der anderen Seite bedeutet Kontrolle nicht, steif und verkrampft auf dem Brett zu stehen und die Welle mit wilden Beschwörungsformeln bezwingen zu wollen. Denn so landest du schon wieder auf der Fr…
Der Wunsch, das Leben und unseren Erfolg kontrollieren zu wollen, entspringt einer unerlösten egozentrischen Perspektive. „Ich wünsche mir etwas vom Universum und dann dreht es sich 5 Grad um seine Achse, um meinen Wunsch zu erfüllen.“ Hoho! Good luck!
Es gibt einen dritten Weg. Jeder Mensch, der auf seinem Surf-Territorium einen gewissen Grad an Exzellenz erreicht hat, hat ihn gefunden. Es ist der Weg der bewussten Meisterschaft, die nicht mehr zwischen Kontrolle und Hingabe entscheiden muss, sondern beides in einem integralen Tanz vereint.
Ein Meister erschafft das Werk und er lässt sich vom Werk berühren und verwandeln.
Ein Meister kontrolliert und er lässt sich kontrollieren.
Er nutzt alles, was er hat, um sich, so gut er kann, vorzubereiten. Seinen Willen, seine Disziplin, seine innere Vorstellungskraft, seine Emotionen, seinen Körper, seine Verbündeten. Er vereint alle Ressourcen in einem gebündelten Leuchtstrahl seiner Intention.
Und dann…
…ja dann lässt er los.
Bereit für den Liebestanz.
Denn bewusstes Manifestieren ist bewusster Sex mit der Existenz.
Mal bist du der Samen und mal das Ei.
Mal die hingegebene Geliebte und mal der führende Liebende.
Meisterschaft bedeutet nicht, alles im Griff zu haben,
sondern deine Fähigkeiten zu ihrer wachen Blüte zu entwickeln,
so dass DEINE Welle dich finden kann und du bereit bist, mit ihr zu tanzen.
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