Deinem Ruf treu sein
Montag, 23. Juli 2012
Von Veit Lindau.
In jedem Menschen wirken zwei elementare Grundbedürfnisse, deren (scheinbarer) Gegensatz uns manchmal schier zerreißt.
Sicherheit versus Abenteuer.
Wir gründen Familien, wir bauen Häuser, wir sparen Geld und schließen Versicherungen ab. Unser Überlebensinstinkt drängt nach Stabilität und Kontrolle. Alles könnte so schön einfach und übersichtlich sein, wäre da nicht auch der RUF. Wir sehnen uns auch nach Wachstum und Abenteuer.
Während der Verstand das eroberte Land abstecken und befrieden will, hungert unsere Seele nach dem Unendlichen und das Unendliche verlangt nach ihr. Diesem Ruf zu folgen, ist keine kuschelige Urlaubspartie, sondern ein Wagnis mit unbekannten Konsequenzen. Wir wissen, dass wir unsere mühsam eroberte Sicherheit aufs Spiel setzen, wenn wir ihm folgen. Doch wenn du ihn negierst, zahlst du auch einen hohen Preis: du wirst nie erfahren, wer du hättest sein können.
Dein Blick stumpft im Laufe der Jahre ab. In den Klang deiner Stimme mischt sich traurige Zurückhaltung. Zähe Langeweile ersetzt die kribbelnde Lust am Abenteuer. Anstatt an der vordersten Front deiner Möglichkeiten zu spielen, sammelst du verbissen Gründe, warum dies für dich nicht möglich ist. Deinem inneren Ruf zu folgen ist nicht dasselbe, wie narzisstisch selbstverliebt immer nur das zu tun, worauf du Bock hast. Es ist ein Akt des Respekts gegenüber deiner inneren Wahrheit.
Wenn sich der Ruf meldet, wird er von uns nicht selten gefürchtet, wenn nicht sogar gehasst. Er kündet vom Ende eines bekannten Lebensabschnittes. Er ist nicht gemütlich. Er garantiert nichts. Er fordert dich heraus und führt dich ins Unbekannte. Folgst du ihm, erlebst du kurzfristig oft auch Chaos, Angst und Verwirrung. Langfristig richtet sich jedoch dein inneres Rückgrat auf. Denn das Geschenk des Rufes sind Selbstachtung, Selbsterkenntnis und Freiheit. Nur so reift eine unantastbare Würde, die dir nicht mehr durch eine weltliche Niederlage genommen werden kann.Dein Herz vibriert in der Lust am wiedergewonnen Abenteuer.
Hast du schon einmal im Winter die allererste Spur in ein vollkommen unberührtes, in der Sonne glitzerndes Schneefeld setzen können? So fühlt es sich an, wenn du die tief eingegrabenen Spuren der Routine verlässt und neue Pfade beschreitest. Mir wird es immer unwichtiger, ob die Menschen um mich herum ein „moralisch-korrektes“ Leben führen. Viele von denen, die scheinbar alles richtig machen, strahlen den Charme eines verschluckten Besenstiels aus. In ihrer Aura lacht es sich nicht frei. Es liegt die verlogene Anspannung ungelebter Momente in der Luft.
Ich hänge gern mit Menschen ab, die ihrem Ruf folgen. Überprüfe es für dich selbst. Ich wette mit dir: Alle Menschen, die du bewunderst, die dich wirklich interessieren und deine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sind ihrem Ruf treu. Sie sind bereit, in wichtigen Entscheidungsphasen allein zu sein und die Konsequenzen zu tragen. Manche dieser Vorreiter kannst du persönlich vielleicht gar nicht gut leiden. Doch etwas schwingt in ihrer Haltung, ihrer Stimme, ihren Lebensprojekten mit, was auch du begehrst. Diese Menschen verwirklichen ihre eigene Essenz, anstatt die Geschichten anderer nachzuahmen. Sie sind Pioniere des Bewusstseins. Da, wo sie stehen, lernt der Schöpfergeist des Universums etwas Neues über sich selbst. In ihnen pulsiert der Eros des Lebens.
Dem Ruf treu zu sein, ist deine einzige Chance, herauszufinden, wer du wirklich bist. Und nur, wer sich selbst kennt, kann sich achten und lieben. Dabei kenne ich nicht einen Menschen, der nicht weiß, was gut und richtig für ihn wäre. Doch wir sind Meister im Rationalisieren und Ablenken. Wir arbeiten schneller, schauen mehr fern, schlucken Pillen, drehen das Radio lauter und reden hohles Zeug – alles, um die intelligente, leise Stimme in uns nicht hören zu müssen. Sei mutig. Lenke dich beim nächsten Mal nicht ab. Lass dich nach innen ziehen, bis du einer schmerzhaft-süßen Sehnsucht nach Freiheit begegnest. Lass sie wie heiße Lava aus deinem Herzen empor steigen.
Deinem Ruf treu zu sein, kann, aber muss nicht mit spektakulären Aktionen verbunden sein. Es sind oft kleine, schlichte und doch so wesentliche Siege deiner Würde. Wenn du bei einem Familientreffen ehrlich bist, obwohl du Angst vor der Ablehnung der anderen hast. Wenn du deinen Stolz überwindest und einen geliebten Menschen um Verzeihung bittest. Oder wenn du einen fremden Menschen anlächelst, obwohl du schüchtern bist.
Natürlich gibt es auch jene großen Weggabelungen – Verabredungen mit deinem Schicksal.
Nimmst du den besser bezahlten Job, obwohl du dafür deine wesentlichen Werte verraten müsstest?
Verlässt du eine Beziehung, die dir nicht gut tut, aber ökonomische Sicherheit bietet?
Investierst du in das Projekt deiner Träume – ohne jegliche Garantie auf einen erfolgreichen Ausgang?
Wir Menschen sind schlaue Tiere. Wir können uns unsere Kompromisse rational gut erklären. Doch dein Herz hat ein unbestechliches Gespür für Integrität. Es pfeift auf deine guten Gründe. Es will frei atmen, unberechenbar für den Jäger der Routine.
Deine Augen sind die Fenster deiner Seele. Ein aufmerksamer Blick in den Spiegel erzählt dir alles. Hier findest du den enttäuschten Hunger all der verschlafenen Momente, in denen du gern mehr geküsst, getanzt, geliebt, geachtet, gedient und geschenkt hättest. Die Anspannung deiner nicht wirklich erlebten, sondern vorgespielten Befriedigung. In deinen Augen leuchtet aber auch die triumphierende Freude über jeden Schritt ins Unbekannte. Sie blitzen jedes Mal ekstatisch auf, wenn du dir einen freien, kühnen Gedanken erlaubst. Sie strahlen in Begeisterung, wenn du deinen Ruf in deinen Taten manifestierst.
Gehe deinen Weg.
Der Ruf ist immer da.
Laut oder leise.
Jetzt.
Deine Seele wird sich nie mit weniger als Freiheit zufrieden geben. Sie ist die Geliebte des Ozeans. Sie ist hungrig nach dem Unendlichen und das Unendliche ist hungrig nach dir.
Der Fluss muss zum Meer.
* Event-Tipp: “Dein Ruf. Berufung und Begabung vereint leben“, ein Seminar mit Veit Lindau. Nov 2012. Baden-Baden. Details.
* Der Text ist aus dem Buch „SeelenGevögelt. Manifest für das Leben“ von Veit Lindau.
Auszüge aus Leserbriefen zum Buch
„ Du hast mir mit deinem Buch, meine geliebte Schwester wieder geschenkt. Ihre Lebensfreude war gleich null. Seitdem Sie dein Buch liest, ist sie völlig verändert.“
„Ich bin knapp 21 Jahre alt und habe gerade eine 6-jährige, heftige Drogenkarriere hinter mir, inklusive Gefängnisaufenthalt und 10-monatiger Therapie. Am Rande des Abgrunds hat mir meine Mutter dein Buch geschenkt. Ich habe es mit viel Freude und Tränen gelesen. Jetzt habe ich wieder Bock was zu reißen und nicht mehr das Bedürfnis mich selbst zu zerstören und vor allem keine “Angst” mehr! Hey, danke fürs Wecken!“
„Kein Buch vorher hat mich so bewegt, kein Buch vorher hat mich so erschüttert…“
„Mit 15 sagte ich immer : ‚Mit 30 möchte ich sterben!’ Nun bin ich 29 und freue mich darauf, eines Tages mit langen weißen Locken in einem Schaukelstuhl zu sitzen und Socken für meine Enkelkinder zu stricken. Danke für das Buch!“
„Ein Muss für alle Schlafenden, Halbwachen und Menschen, die glauben, sie seien wach! Dieses Buch ist ein Weckruf an alle. Es ist unerhört frech, provokativ und abgrundtief ehrlich. Der Autor führt den Leser durch die eigenen Denkgebäude bis hin in den letzten verborgenen Seelenwinkel mit seinen Schattenmonstern. Dies gelingt ihm mit einer spritzigen Leichtigkeit, die gleichzeitig schmerzt und zum Lachen bringt.“
Über Veit Lindau. Speaker. Trainer. Autor. Businesspunk und moderner Mystiker. Er berät und inspiriert Menschen, die nicht normal sind. Im positiven Sinne. Sie wollen nämlich alles: Freiheit, Würde, Liebe und Erfolg in einem Leben vereinen.



