Abkürzung zum Glücklichsein
Mittwoch, 11. August 2010Veit Lindau.
Nichts ist selbstverständlich.
Wenn du dich benachteiligt fühlst, womit vergleichst du dich dann?
Als Andrea und ich vor 12 Jahren heirateten, ließ ich mich damit auf ein spannendes Experiment des Bewusstseins ein. Spannend in vielerlei Hinsicht. Oh, ja!
Zum Beispiel stehe ich seitdem vor der kreativen Herausforderung, jeden Morgen neben einem der faszinierendsten Geschöpfe dieses Universums aufzuwachen und dies nicht für selbstverständlich zu nehmen. Wir haben bewusst gewählt, nebeneinander alt und (hoffentlich) weise zu werden. Doch wenn ich mich auf dieser trügerischen Sicherheit ausruhe, verpasse ich es.
Ich verpasse meine Geliebte.
Ich verpasse die Schönheit unserer Begegnung.
Ich verpasse die Fülle des Lebens.
So tanzt mein Bewusstsein jeden Tag einen unglaublich schönen und herausfordernden Spagat. Das, was scheinbar das selbstverständlichste in meinem Leben ist, nämlich die Präsenz meiner Geliebten, jeden Tag aufs Neue als das anzuerkennen, was es ist: Ein ziemlich abgefahrenes Wunder. Und es gibt nichts, nichts in meinem Leben, womit ich mir dieses Wunder hätte verdienen können.
Die Illusion der Selbstverständlichkeit schleicht sich wie ein Gift in unseren Alltag. Sie macht aus Königen Bettler. Wir sitzen in unserem Königreich der inneren und äußeren Fülle, doch das einzige, was uns interessiert, ist dieser kleine Fleck dahinten an der Wand.
“Veit, das Universum ist nicht fair, aber es ist voller Überfluss.”
pflegte mein Lehrer Frank Natale zu mir zu sagen, wenn ich mich über irgendetwas beschwerte.
Dankbarkeit erinnert uns daran, dass es nichts, absolut nichts in diesem Leben gibt, was uns selbstverständlich zusteht oder was wir uns verdienen könnten.
Wenn wir uns arm – benachteiligt – vom Leben undankbar behandelt – fühlen, dann geschieht dies aus zwei Gründen.
- Wir haben den Fokus auf etwas gerichtet, was nicht da ist.
- Wir glauben, dass das, was nicht da ist, uns eigentlich zusteht.
Beides zusammen erzeugt die Illusion des Mangels mit einem ganzen Strauß an unangenehmen Gefühlen und langfristigen Konsequenzen. Aus der Wahrnehmungs- und Verhaltenspsychologie wissen wir, dass sich alles, worauf wir unsere Aufmerksamkeit für eine längere Zeit richten, verstärkt. Wie oft gehen wir am Abend ins Bett und widmen unseren allerletzten Gedanken der einen Sache, die nicht zu unserer Zufriedenheit lief, anstatt den 99 kleinen und großen Geschenken des Tages?
Wenn wir uns darauf konzentrieren, was in unserem Leben nicht stimmt und was fehlt, initiieren wir einen destruktiven Schöpfungskreislauf.
Alles, was wir durch unsere Aufmerksamkeit anerkennen, wird mehr.
In diesem Licht verstehen wir auch die magische Macht von Dankbarkeit. Als Kinder haben wir gelernt, Dankbarkeit als eine antrainierte Anstandsgeste durchzuführen. Doch Dankbarkeit ist weitaus mehr.
Dankbarkeit ist die sanfteste, eleganteste und einfachste Weise, Schönheit und Fülle zu manifestieren.
Indem wir etwas wertschätzen, wird es mehr. Dankbarkeit richtet unseren Fokus auf das, was ist, und verstärkt es dadurch. Wir haben oft ein Kurzzeitgedächtnis, wenn es um die guten Dinge des Lebens geht. Und leider das Langzeitgedächtnis eines Elefanten, was die negativen Aspekte betrifft. Die Präsenz eines anderen Menschen, unsere körperliche Gesundheit, ein Dach über dem Kopf oder das Wunder, am Leben zu sein – wir nehmen dies schnell für selbstverständlich. Dabei sind es unvorstellbar kostbare Geschenke, die wir uns durch nichts verdienen können. Dankbarkeit lenkt unsere Aufmerksamkeit auf den Reichtum, über den wir jetzt verfügen.
Dankbarkeit ist ein intelligentes Verschieben unserer Perspektive.
Von dem, was fehlt, zu dem, was da ist.
Wenn wir uns für arm halten, womit vergleichen wir uns dann?
Wie viel ist unsere Gesundheit wert?
Wenn wir heute einen wichtigen Körperteil verlieren würden, eine Hand oder ein Auge, wie viel würden wir liebend gern dafür zahlen, um diesen Teil unseres Körpers zurückzukaufen?
Wie viel sind unsere Freundschaften wert?
Wie viel ist uns der Luxus wert, in diesem Augenblick in den Computer schauen zu können, anstatt um unser Überleben kämpfen zu müssen?
Es ist keine Frage der Moral, sondern eine Frage der intelligentesten Perspektive.
Dankbarkeit öffnet uns für die Fülle, die immer existiert.
Dankbarkeit erfüllt unser Herz.
Dankbarkeit ist das gelebte Gesetz der Anziehung.
Dankbarkeit erzeugt Vertrauen.
Wenn wir realisieren, wie reich wir bereits beschenkt wurden, reift unser Vertrauen in die Existenz. Wir beginnen zu verstehen, dass immer alles zur richtigen Zeit da war und sein wird.
Ich bin gerade sehr dankbar, hier sitzen und dir schreiben zu können. Ich danke dir, dass du dir die Zeit nimmst, dies zu lesen. Das ist auch nicht selbstverständlich.
Es ist ein Wunder, was uns jetzt gerade miteinander verbindet.
Merci!
Dein Veit
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Zum Abschluss noch eine meiner Lieblingsgeschichten von Tagore
„Ich ging bettelnd von Tür zu Tür, die Dorfstraße entlang, als dein goldener Wagen aus der Ferne auftauchte. Welch großartiger Traum! Ich fragte mich, wer wohl dieser König aller Könige sei. Meine Hoffnung wuchs, und ich dachte, die Zeiten der Mühsal seien vorbei.
Ich wartete auf die Gaben, um die ich nicht bat, auf Reichtümer im Überfluss. Dein Wagen hielt neben mir. Du schautest mich an und stiegst lächelnd aus. Ich fühlte, dass endlich das Glück in mein Leben getreten war. Dann gabst Du mir überraschenderweise die Hand und batest: ‚Hast du irgendetwas für mich?‘ Welch edle Geste! Die Hand ausstrecken und einen Bettler um etwas bitten! Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Dann holte ich aus meinem Beutel ein winziges Weizenkorn und gab es dir.
Aber wie groß war mein Erstaunen, als ich am Abend, zu meinem Hügel zurückgekehrt, meinen Beutel ausschüttete und ein Korn aus reinstem Gold vor mir sah. Ich weinte bitterlich und wünschte, ich hätte den Mut gehabt, dir alles zu geben, was ich besaß.“
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Fülle und Dankbarkeit in deinen Beziehungen: www.loverevolution.de

